Das Fremde und das Eigene – HSG Events

Das Fremde und das Eigene

Psychologie

Das Aufeinanderstossen von Eigenem und Fremdem bringt Dynamik in die Entwicklung des einzelnen Menschen von der frühen Kindheit bis ins Alter. Es setzt Lernprozesse in Gang, führt zu kreativem Verhalten und lässt Neues entstehen, kann aber auch Ängste auslösen und zu Abwehrhaltungen führen. In der Vorlesungsreihe wird nach Möglichkeiten der frühen Verständigung gesucht.

Das Thema der Eigensprache, der Idiolektik, wird die erste Vorlesung angehen. Vom ersten bis zum letzten Lebenstag «spricht» der Mensch seine eigene Sprache. Ein Zugang zum Fremden gestaltet sich leichter mit einem vertrauten «Eigenen». Unabhängig vom Alter ermöglicht Eigensprache einen spielerischen und explorativen Umgang mit dem Eigenen. Daraus entwickelt sich fortlaufend ein Verhältnis zwischen Eigenem und Fremdem. Auch aus der Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit der sich die zweite Vorlesung beschäftigt, können schöpferische Werke entstehen und sich neue Möglichkeiten für Austausch, Verständigung, Lebensgestaltung entwickeln. Leider wird oft das Ungewohnte, Fremde als Bedrohung erlebt, gegen das man sich wehren muss. Es kommen Drohgebärden und Machtspiele in Gang. Opfer sind häufig die Schwächsten, die, um ihre Angst zu bewältigen, paradoxerweise sich die Schuld für erlittene Gewalt zuschreiben. Das Fremde wird zum Eigenen, damit Ohnmacht und Hilflosigkeit abgewehrt werden können. Das Thema der Traumatisierung und wie sie therapeutisch angegangen werden kann, ist das Thema der dritten Vorlesung. Das «Fremdeln» als Thema der vierten Vorlesung ist ein bekanntes Phänomen im frühen Kindesalter, das laut entwicklungspsychologischen Lehrbüchern mit drei Jahren angeblich aufhört. Aber die Auseinandersetzung mit Unsicherheit gegenüber dem «Fremden» begleitet den Menschen lebenslang und ist ein dauernder Kampf um Sicherung des «Eigenen», der aber nur gelingen kann, wenn das Fremde mit dem Eigenen versöhnt wird. Streifzüge durch Psychologie, Anthropologie und Kultur werden Gestaltungsmöglichkeiten von gelingenden Versöhnungen veranschaulichen und die Vorlesungsreihe abrunden.

Dienstag, 18.15 bis 19.45 Uhr, 01-012 / 23-001 Universität St.Gallen

26. April, 01-012
Eigensprache als Orientierungsmöglichkeit über die Lebensspanne
Dr. med. Daniel Bindernagel, St.Gallen und Dr. med. Eckard Krüger, Oberfranken, Landkreis Hof, Deutschland

3. Mai, 23-001
Flucht, vorläufiger Aufenthalt, Rückweisung, Hoffnung auf Bleibe. Gespräche mit Flüchtlingen
Dr. phil. Ursula Germann, Sargans

10. Mai, 01-012
Traumaverarbeitung nach Gewalterfahrungen
Prof. Dr. phil. Rosmarie Barwinski, Schweizer Institut für Psychotraumatologie (SIPT), Winterthur

17. Mai, 01-012
Das «Fremdeln» hört mit drei Jahren nicht auf – und was das für die Bildung unseres «Eigenen» bedeutet. Streifzüge durch Psychologie, Anthropologie und Kultur
Prof. Dr. rer. soc. Reinhard Fatke, Universität Zürich

Leitung | Lic. phil. Sabina Kunz, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP St.Gallen, und Dr. Ursula Germann, Sargans

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Dozierende dieser Öffentlichen Vorlesung

lic. phil. Sabina Kunz

Sabina Kunz studierte nach dem Sekundarlehramt Psychologie, Psychopathologie, Pädagogische Psychologie an der Universität Zürich. Sie arbeitete in der stationären Psychotherapie und als Beraterin für Kinder, Jugendliche, Familien und Lehrpersonen. Sie unterrichtet Psychologie und Pädagogik in der Erwachsenenbildung (ISME). Seit 2005 führt sie eine Praxis in St. Gallen (Psychotherapeutin FSP, VOPT) für analytisch-orientierte Körperpsychotherapie (SGBAT) mit Jugendlichen und Erwachsenen, Schwerpunkte Behandlung von Depressionen, Ängsten, Entwicklungstraumata. Daneben bietet sie Integrative Paartherapie (IBP) und Supervision für Fachpersonen aus pädagogisch-therapeutischen Berufen (ZQS IBP) an. Sie ist Lehrtherapeutin, Supervisorin und Lehrbeauftragte der Körperpsychotherapieweiterbildung SGBAT. Interessen: Beziehung; lebenslange Entwicklung; Arbeit mit Grenzen und Raum; Emotionsregulation.

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Dr. Ursula Germann

Ursula Germann-Müller, Dr. phil. Studium der Psychologie, Philosophie, Heilpädagogik, Germanistik in Genf, Zürich, Stanford USA. Berufliche Tätigkeit: Lehrerbildung, Lehrerfortbildung, Erwachsenenbildung. Praxis für Gesprächstherapie und Lernberatung in Sargans (Psychotherapeutin FSP), Lehrbeauftragte an der Univ. St. Gallen. Publikationen -Angst, gestaltet in Träumen und Bildern der Kunst (2020) -psychische Gesundheit in rastloser Zeit (2020) -Wagnis und Scheitern in der Biografie von Pionierinnen und Pionieren (2019) -Beiträge in Fachzeitschriften zum Thema „Prüfungsangst“ - Gemeinsam philosophieren - Mutter! Mittlerin zwischen deinem Kind und der Welt. Zu Pestalozzis Mutterbild. Comenius Verlag - Die Bedeutung rhythmisch-musikalischer Erziehung in der Heilpädagogik. In: Grundlagen und Methoden rhythmischer Erziehung, Klett Verlag - Müller Ursula: Der Rhythmus. Huber Verlag

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