Komponieren unter Stalin – Musik und Diktatur – HSG Events

Komponieren unter Stalin – Musik und Diktatur

Musik / Musikgeschichte

Welchen Einfluss hatte der Stalinismus auf das Komponieren von Musik zwischen Staatsauftrag und innerem Ausdruckswillen? Im Herbst 1936 begann in der Sowjetunion die Zeit des Grossen Terrors. Allein in den ersten zwei Jahren kam es zur Verhaftung von etwa 1.5 Millionen Menschen. Die Hälfte der als «Klassenfeinde» Verurteilten wurde er-schossen. Der andere Teil sass in Gefängnissen oder wurde in Arbeitslager, sog. GULAGS, transportiert. Der Komponist Dmitri Schostakowitsch wartete mit gepacktem Koffer auf seine Verhaftung und entkam seiner Deportation nur durch den glücklichen Zufall, dass der Kommissar, der ihn verurteilen sollte, selbst verhaftet wurde. Sergej Prokofjew, der am selben Tag wie Stalin sterben sollte, war im Revolutionsjahr 1917 nach Frankreich und später in die USA emigriert. 1936 kehrte er nach Moskau zurück und komponierte dort seine erfolgreichsten Werke, obwohl die sowjetischen Kulturfunktionäre seine Musik als formalistisch verurteilten. Der Komponist Mieczyslaw Weinberg, nachdem er zweimal vor den deutschen Faschisten fliehen konnte, wurde noch wenige Tage vor Stalins Tod von der Moskauer Geheimpolizei inhaftiert. Keiner der drei Komponisten hat in der Öffentlichkeit über seine traumatischen Erlebnisse berichtet. Schostakowitsch verwehrte sich dezidiert gegen jegliche politische Interpretation seiner Musik:

«Meine Musik sagt eigentlich alles. Es braucht keine historischen oder hysterischen Kommentare.» Dennoch finden sich in den Werken von Weinberg und Schostakowitsch immer wieder Zitate, die auf ein verschlüsseltes Programm deuten. Die fünfteilige Vorlesung umkreist am Beispiel ausgewählter Werke von Schostakowitsch, Prokofjew und Weinberg die Frage, inwieweit Leben und Werk sich in Beziehung setzen lassen.

Dienstag, 18.15 bis 19.45 Uhr, 23-102 Universität St.Gallen, 19.4., 26.4., 3.5., 10.5., 17.5. und 24.5.2022

Dozent | Dr. Hans-Georg Hofmann, Künstlerischer Direktor, Sinfonieorchester Basel

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Dozierende dieser Öffentlichen Vorlesung

Dr. Hans-Georg Hofmann

Hans-Georg Hofmann hat in Halle/Saale (D) Musik- und Literaturwissenschaft studiert und an der Universität Bern promoviert. Nach seiner Tätigkeit beim Kammerorchester Basel wechselte er 2013 zum Sinfonieorchester Basel, wo er seit Juli 2018 als Künstlerischer Direktor arbeitet. Er war Kurator des Festivals Schweizgenössisch im Radialsystem Berlin und künstlerischer Berater beim Tongyeong International Music Festival (Südkorea). Von 2014-2021 leitete er als Präsident das Festival „KlangBasel“ und sitzt seit 2020 im Stiftungsrat der Stiftung Colla Parte. Ausserdem: Veröffentlichungen zur Musikgeschichte, zahlreiche Programmtexte und Konzerteinführungen.

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