Seuchen, Krisen und gesellschaftlicher Wandel – HSG Events

Seuchen, Krisen und gesellschaftlicher Wandel

Geschichte

Die aktuelle Pandemie greift tief in das Leben der Menschen ein und führt auf verschiedensten Ebenen zu Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft. Diese aktuellen Entwicklungen sind Anlass, sich mit Seuchen und ihren Folgen in der Vergangenheit zu beschäftigen. Dabei soll sowohl zeitlich als auch thematisch ein möglichst breites Spektrum abgedeckt werden.

Den Anfang macht ein Vortrag, der sich vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart mit den verschiedenen Pandemien in der Schweiz auseinandersetzt. Dabei werden die verschiedenen Reaktionsweisen der Bevölkerung und die konkreten medizinisch-gesellschaftlichen Veränderungen thematisiert. Ein Schwerpunkt ist der sogenannten Spanischen Grippe gewidmet, die 1918 bis 1919 in der Schweiz rund 24 000 Todesopfer forderte. Die Reise durch die Geschichte der Pandemien endet mit der Thematik von HIV / AIDS. Die Kampagne gegen AIDS ist ein Musterbeispiel für sogenannte «New Public Health», die nicht mehr primär auf Verhältnisprävention (z.B. durch sauberes Trinkwasser), sondern auf Verhaltensprävention (z.B. durch Gebrauch von Kondomen) setzt. Es folgen zwei Vorträge, welche sich der Rolle der Pest in der Antike und in der Frühen Neuzeit widmen. Im Sommer 541 nach Christus brach in einer Kleinstadt in Ägypten eine Krankheit aus, die innerhalb von nur wenigen Monaten die gesamte Mittelmeerwelt ergriff. Im Gebiet des spätantiken römischen Reiches starben täglich Tausende von Menschen. Wie versuchten die Zeitgenossen mit der Pandemie umzugehen? Wie reagierten demgegenüber rund 1000 Jahre später die eidgenössischen Orte auf die Pest? Sie delegierten die Pestbekämpfung weitgehend an das mailändische Sanitätstribunal, das zeitweise seine Funktionäre in Flüelen stationierte. So konnten die Orte den transalpinen Handel sicherstellen und die Verantwortung für unpopuläre Massnahmen abwälzen. Dafür erweiterte Mailand seinen «cordon sanitaire» um sein Herrschaftsgebiet.

Den Abschluss der Vorlesungsreihe macht eine Betrachtung der Veränderungen in der öffentlichen Gesundheit im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Typhus, Ruhr, Cholera und Pocken in den wachsenden Industriestädten verlangten nach staatlicher Intervention. Ein wichtiger Akteur war der St.Galler Arzt Jakob Laurenz Sonderegger, der sich für den Eingang der Hygiene in die Gesetzgebung sowie für den Entwurf des Epidemiegesetzes auf Bundesebene verantwortlich zeichnete.

 

Präsenz-Vorlesung

Die Vorlesung findet in Präsenz statt.

 

Mittwoch, 18.15 bis 19.45 Uhr, Raum für Literatur, Postgebäude am Bahnhof St.Gallen (Eingang Südseite, 3. Stock, Lift vorhanden), St.Leonhard-Strasse 40, St.Gallen

20. Oktober | Pandemien in der Schweizer Geschichte im Zeichen der Coronakrise

Prof. Dr. Flurin Condrau, Universität Zürich

 

3. November (Lateinnovember) | «… fast die gesamte Menschheit dahingerafft» – die Pest im 6. und 7. Jahrhundert nach Christus

Prof. Dr. Andreas Victor Walser, Universität Zürich

 

17. November | Das Herzogtum Mailand koordinierte für die Eidgenossen die Pestbekämpfung

Prof. Dr. Bernhard Lauterburg, Bern

 

1. Dezember | Wie Epidemien des 19. Jahrhunderts die öffentliche Gesundheit verändern

Dr. Brigitte Ruckstuhl, lic.phil. Elisabeth Ryter, Bern

 

Leitung | Prof. Dr. Max Lemmenmeier, Historiker, Universität St.Gallen

 

Bildlegende: Der Doktor Schnabel von Rom mit Pestschnabel und Flügelstock (Paul Fürst / 1656). Bildquelle: trift.org

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Dozierende dieser Öffentlichen Vorlesung

Prof. Dr. Max Lemmenmeier

Ausbildung Studium Universität Zürich in den Fächern Allgemeine Geschichte, Neuere deutsche Literatur, Schweizergeschichte 1970-1976, Abschluss Doktorat 1982 mit der Arbeit „Luzerns Landwirtschaft im Umbruch“, Nachdiplomstudium Universität Bielefeld 1979-1981 Berufliche Laufbahn Assistent Forschungsstelle zur Geschichte des Kantons Luzern 1976-1978, Assistent Universität Zürich 1980-1981, Lehrbeauftragter an der Universität Zürich 1976-1984, Mittelschullehrer für Geschichte und Deutsch in St.Gallen 1981-2014, Bearbeitung der Geschichte des Kantons Zürich, des Kantons St.Gallen 1990-1992; 1998-2002, Mitglied der wissenschaftlichen Kommission der Geschichte des Kantons Luzern, Lektorat der Geschichte der Stadt Winterthur, Mitarbeit Historisches Lexikon der Schweiz, Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Winterthur, 2000-2016, Lehrbeauftragter der Universität St.Gallen Sonstige Tätigkeiten: Vorstand Historischer Verein des Kantons St.Gallen, Vorstand Museumsverband des Kantons St.Gallen (MUSA), Mitglied VPOD, Mitglied des Zentralvorstands der Gesellschaft Schweiz-Israel Politische Mandate Mitglied des Stadtparlaments St.Gallen 1997-2006, Mitglied des Kantonsrates 2006-2020

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