Warum Journalismus besser ist als Jesus (und Literatur als der Heilige Geist) – HSG Events

Warum Journalismus besser ist als Jesus (und Literatur als der Heilige Geist)

Schweizer Literatur

Irgendwann, durchgeschüttelt auf einem Autorücksitz, so mit 13 oder 14, fand Benjamin von Wyl, dass seine Bibellektüren für ein Leben ausreichen. An diesen Punkt kam er dank Büchern, die von Empathie und Solidarität losgelöst von Religion und Glauben erzählen.

Die Hinwendung zur Welt ist noch kein Weg. Wenn der «schmale, steinige Weg» ins Jenseits vom breiten Boulevard durch Mittelland, Schweiz und Welt ersetzt wird, muss man sich umso bewusster selbst orientieren. Die Textmenge ist seit der Jahrtausendwende explodiert, das Jetzt prasselt stetig über die sozialen Netzwerke. Erzählen macht Sinn. Ob vor 20 Jahren für je nur ein Gegenüber im MSN-Chatfenster, für die journalistische Öffentlichkeit oder das beschränkte Publikum renitenter Literatur: Das Erzählen orientiert in der Welt. Wie genau, lernt von Wyl immer wieder neu, momentan beschreibt er es so: Im Journalismus, bei dem man jeweils einem Fitzelchen Realität gerecht werden will, geht es um die Entwirrung der Realität. Das literarische Schreiben, das gleichermassen Ekstase wie Ventil ist, wirkt auf Benjamin von Wyl wie die Unruhefeder im Uhrwerk. An seinen drei Vorlesungsabenden streift von Wyl entlang der Bücher, die das Buch der Bücher zu einem unter vielen abgewertet haben und entlang seiner eigenen drei Romane: Von der Stadt-Agglo-Groteske Land ganz nah (2017), über Hyäne – eine Erlösungsfantasie (2020), das 2021 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet wurde, bis zu seinem dritten Roman In einer einzigen Welt, der erst Monate nach der Vorlesung erscheint.

Dienstag, 18.15 bis 19.45 Uhr, Raum für Literatur St.Gallen, 26.4., 3.5. und 10.5.2022

Dozent | Benjamin von Wyl, Autor und Journalist, Basel

Sie müssen eingeloggt sein, um sich zu dieser öffentlichen Vorlesung anmelden zu können. Jetzt mit Zugangsdaten einloggen

Dozierende dieser Öffentlichen Vorlesung

Benjamin von Wyl

Benjamin von Wyl, geboren 1990 im Aargau, B.A. Geschichte und Germanistik von der Universität Basel. Seit 2016 ist von Wyl freier Autor und Journalist, unter anderem für «WOZ», «Swissinfo» und «Medienwoche». Zuvor arbeitete er bei «VICE» und in der Dramaturgie des Theater Neumarkts. 2017 ist sein Debütroman «Land ganz nah» bei lectorbooks erschienen. Sein zweiter Roman «Hyäne – eine Erlösungsfantasie» (lectorbooks, 2020) wurde 2021 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Im Spätsommer 2022 erscheint «In einer einzigen Welt», dort erzählt ein Pilz. Von Wyl ist lebenslänglich Aargauer und lebt in Basel.

Link
Alle Vorlesungen
Career Center

LINK-Team

Presentation Student Union